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Strafverfahren vor dem Landgericht Baden-Baden wegen Betruges, Untreue, Wucher und versuchter Erpressung

Datum: 09.11.2017

Kurzbeschreibung: Rechtsanwältin und Steuerberater vor Gericht

Nach langandauernden, sich sehr kompliziert gestaltenden und umfangreichen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Baden-Baden am 12.06.2017 eine Anklage gegen eine Rechtsanwältin und ihren Ehemann, einen Steuerberater, erhoben, über die die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Baden-Baden ab dem 14.11.2017 verhandelt. Beide Beschuldigte befinden sich wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Ausgangspunkt des Falles war die Übersiedlung eines millionenschweren Ehepaares von Südafrika nach Baden-Baden. Das hochbetagte Ehepaar suchte 2011, als sich wegen einer schweren Erkrankung des Ehemannes abzeichnete, dass er nicht mehr lange für seine am Alzheimersyndrom leidende Ehefrau würde sorgen können, eine Vertrauensperson, die sich nach dem Tod des Ehemannes um die Ehefrau kümmern würde. Durch Empfehlung kam man auf die angeklagte Rechtsanwältin, der es gelungen sei, Vertrauen zu erwecken, wobei auch die Verknüpfung zwischen der Rechtsanwältin und ihrem - jetzt mitangeklagten - als Steuerberater tätigen Ehemann als vorteilhaft angesehen wurde. Der Rechtsanwältin sei für die Zeit nach dem Tod des Auftraggebers eine umfassende Vertretungsbefugnis für vermögensrechtliche Angelegenheiten der überlebenden Ehefrau erteilt worden. Der Angeklagten wird nun zur Last gelegt, im Anschluss daran schon den Entschluss gefasst und diesen später umgesetzt zu haben, unter Missbrauch der Vollmacht und des aus dem Mandatsverhältnis herrührenden Vertrauens sich möglichst viele Bestandteile des Vermögens, u.a. Grundstücke, Geld und Schmuck, einzuverleiben und zu diesem Zweck auch ihren jetzt mitangeklagten Ehemann eingespannt zu haben, der sich im Wege von noch vorzunehmenden Gesellschafts- und Vertragskonstruktionen zwecks Verschleierung des gemeinsamen Vorhabens beteiligt habe.

Die Angeklagte, die als Testamentvollstreckerin eingesetzt worden sei, habe zunächst versucht, vorab berechtigte Ansprüche Dritter an die Erbmasse zu untergraben, um den Nachlass - letztlich zu ihren eigenen Gunsten - bestmöglich zu taxieren. Unter dem Deckmantel einer noch zu schaffenden Gesellschaft sei dann das Erbe selbst angegriffen worden, um an dieses Vermögen zu gelangen, Vollmachten seien zurückdatiert worden, um den fälschlichen Eindruck zu vermitteln, sie würden aus der Zeit vor der Demenzerkrankung der Ehefrau stammen und ein rückdatiertes Testament sei aufgesetzt worden, in dem die angeklagten Rechtsanwältin als Alleinerbin eingesetz worden sei. Nach dem Versterben der Ehefrau Ende 2015 habe die Angeklagte in zahlreichen Rechtsstreitigkeiten versucht, ihre Alleinerbenstellung gerichtlich durchzusetzen. Der durch die beiden Angeklagten verursachte Vermögensschaden wird in der Anklage mit mindestens 1,33 Millionen Euro beziffert.

Die Angeklagten sind nicht geständig. Die Große Strafkammer hat - beginnend am 14.11.2017 um 13:30 Uhr im Sitzungssaal 118 - 15 Verhandlungstage bis Anfang Februar 2018 bestimmt und bislang 59 Zeugen geladen.

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